Episode 10: Rückblick 2025

Rund um den Jahreswechsel ist diese seltsame Zeit, in der ich stets vergesse, welcher Wochentag gerade ist. Irgendwie steht alles still und dennoch dreht sich die Welt weiter. Zwischen Silvester-Einkäufen, Kinderbespaßung und diversen Erledigungen trudeln gerade die Einladungen für die Ausschusssitzungen in der ersten und zweiten Jännerwoche ein. Die Arbeit geht weiter, und ich bin schon gespannt, was die Kolleg:innen in den Fachausschüssen beschließen. Persönlich bin ich ja nur geladener Zaungast, aber besonders spannend für mich wird der Finanzausschuss am 8. Jänner. Da die Ausschüsse nicht öffentlich sind, kann ich auch keine Details zu den Tagesordnungspunkten geben. Ich kann aber sagen, dass ich vorgestern ein sehr gutes Gespräch mit GGR Sabine Brauneder hatte und sie mich zu unserem Dringlichkeitsantrag (ihr wisst schon – Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden) befragt hat. Ich freue mich, dass die Ideen Anklang finden. Mal schauen, was die Kolleg:innen daraus machen, und natürlich stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Genug vom Aktuellen

Diese Episode trägt den Titel Rückblick 2025, und deshalb sind wir ja auch hier.

Das abgelaufene Jahr 2025 war für Vösendorf politisch recht turbulent. Begonnen haben wir im Februar mit einem Rücktritt und der darauffolgenden Bestellung einer neuen Bürgermeisterin. Es folgte die Auflösung des Gemeinderats, ein nicht übersehbarer Sommerwahlkampf im ganzen Ort und schließlich der Wahltag am 21. September selbst, an dem wir zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren zur Wahlurne für den Vösendorfer Gemeinderat geschritten sind. Die anschließenden Koalitionsverhandlungen dauerten einige Zeit, bis wir letztlich bei der konstituierenden Sitzung im Oktober die aktuelle und damit dritte Bürgermeisterin im Jahr angelobt haben.

Persönlich war 2025 für mich extrem aufregend. Wolfgang Silhan und ich haben im Frühjahr NEOS Vösendorf aus dem Boden gestampft und recht rasch ein Team aus 14 Personen auf die Wahlliste gebracht. Ich kann dir, lieber Wolfi, nicht genug danken, denn ich hätte mir nicht gedacht, dass wir das von null auf hundert in so kurzer Zeit auf die Beine stellen könnten. Wir haben mit der Bereit-für-Vösendorf-Kampagne einen sehr beherzten Wahlkampf geführt, sind von Tür zu Tür im ganzen Ort gerannt, haben unzählige Gespräche geführt, unsere Familien und Freunde bezirzt, uns zu helfen. Wir haben Eis, Sonnencreme, Ostereier und was weiß ich alles verteilt, Beachvolleyball gespielt, den Kontakt zu anderen Fraktionen gesucht und viele neue Bekanntschaften gemacht. Wir sind näher in den Ort gerückt, wenn man das so sagen kann. Das war wirklich sehr schön!

Spannend war für mich auch, dass ich mich als Person in die Öffentlichkeit gestellt habe. Sein eigenes Gesicht auf einem überdimensional großen Wahlplakat zu sehen, ist cool – besonders für die eigenen Kinder – aber verlangt auch eine dicke Haut. Ich bin kein Kriegstreiber, wurde aber so genannt. Ich habe nichts mit Sepp Schellhorns Audi A8 zu tun, und ob Beate Meinl-Reisinger die Welt bereist – im Übrigen, als Außenministerin ist das ihr Beruf – beeinflusse ich nicht. „Einen ausländischen Karim kann man nicht wählen“ auf Social Media zu lesen, ist jetzt auch eher nicht so fein. Aber all das gehört eben dazu, wenn man sich exponiert, und ich bin sehr froh, dass ich’s gemacht habe.

Was nehme ich mit?

Learning 1: Mach’s einfach – und irgendwann nimmt man dich ernst.

Ich kann mich erinnern, als wir im Frühjahr ganz am Anfang standen und das erste Mal über NEOS Vösendorf gesprochen haben. Da waren viele Leute eher skeptisch. Je öfter ich erzählt habe, dass ich in Vösendorf etwas verändern möchte, desto öfter war die Reaktion gleich: „Du hast vollkommen recht, so geht’s nicht weiter, aber was willst du denn schon machen?“

Es gilt wohl für alle Bereiche: Man denkt im Leben viel zu oft zu kompliziert. Hätten wir nicht den Schalter einfach umgelegt und wären losgelaufen, würde ich vermutlich heute noch überlegen, ob ich’s machen soll. Sehr oft ist es im Leben vollkommen ausreichend, unterwegs das Wissen aufzunehmen, anstatt vorher zu grübeln und zu studieren. In vielen Situationen hilft Aufrichtigkeit und ehrliche Motivation. Die Politik ist definitiv solch ein Handlungsfeld.

Learning 2: Politik ist komplex und kennt selten klare Linien.

Wir alle haben unsere Meinungen. Das ist gut so und zeichnet eine Gesellschaft aus. Am Wirtshaustisch oder im Freundeskreis sind wir überhaupt alle Teamchefs oder Bundeskanzler: „Warum kriegt der Stocker da oben die Teuerung nicht in den Griff? Wieso überweisen wir der Ukraine Millionen? Das muss doch abgedreht werden! Was wollen wir jetzt mit grüner Energie? Wir müssen doch die Wirtschaft in den Griff kriegen!“

Von außen wirken viele Problemstellungen offensichtlich, und ich hatte persönlich den Eindruck, dass die Positionen der Parteien von vornherein erwartbar sind. Das stimmt aber nicht. Entscheidungen sind kaum jemals schwarz oder weiß, sondern fast immer ein Abwägen. Zwischen dem, was wünschenswert wäre, und dem, was realistisch ist. Zwischen Tempo und Sorgfalt. Zwischen Lautstärke und Verantwortung. Diese Spannung auszuhalten, ist vermutlich ein Teil des Jobs, den man erst versteht, wenn man mittendrin steckt.

Ich schaue ZIB 2-Interviews mittlerweile anders und bewundere Politiker:innen aller Couleurs, wenn sie sich gut und redlich anstellen. Sofort eine Meinung zu einem brandaktuellen Thema zu vertreten, die inhaltlich sauber aufbereitet ist, zur eigenen Parteilinie passt und obendrein länger hält als nur ein paar Tage, ist gar nicht so einfach.

Learning 3: Politik ist Teamarbeit und braucht mehr Menschen.

In einer Gemeinde wie Vösendorf gibt es so viele verschiedene Sachbereiche: Finanzen, Raumordnung, Verkehr, Bildung, Wohnen, Infrastruktur, Personalfragen, rechtliche Rahmenbedingungen – und das ist nur ein Ausschnitt.

Man kann vieles alleine anstoßen, aber nichts alleine tragen. Ohne Mitstreiter:innen, ohne Austausch, ohne unterschiedliche Blickwinkel geht es nicht. Das gilt für Parteien genauso wie für Gemeinden insgesamt. Demokratie lebt davon, dass sich Menschen einbringen – nicht nur alle paar Jahre bei einer Wahl, sondern laufend.

Bei NEOS Vösendorf sind wir derzeit acht Personen im Kernteam. Davon träumen andere NEOS-Organisationen in Niederösterreich, und wir werden auch intern sehr oft als tolles Beispiel hervorgehoben. Johann, Oliver, Thomas, Sarah, Benjamin, Wolfi und Mladen sind sehr unterschiedlich, und ich danke euch sehr dafür, dass ich nach außen hin das Gesicht sein darf für etwas, das eigentlich viel größer ist als ich.

Dennoch: Ja, wir brauchen mehr. Mehr Menschen, die mitdenken. Mehr Menschen, die mitreden. Mehr Menschen, die auch einmal widersprechen.

Meine Aufforderung nun an dich, liebe Leserin, lieber Leser: Wenn du Lust hast, mitzumachen, Ideen einzubringen oder einfach nur neugierig bist, melde dich gerne bei mir. Gib dir einen Ruck, exponiere dich, mach’s einfach!

Auf ein gutes neues Jahr 2026! Los geht’s!

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Episode 9: Frohe Weihnachten!