Episode 6: Kooperation statt Krisenmodus - Warum ich gegen das Budget stimme und trotzdem die Lösung für unsere Sorgen habe.
Die vergangene Woche war intensiv und geprägt von Gesprächen mit allen Fraktionssprecher:innen. Am Montag habe ich gemeinsam mit den Grünen ein detailliertes Budget-Review von der GGR für Finanzen, Finanz- und Personalplanung erhalten. Am Mittwoch habe ich die SPÖ, V2000 und FPÖ zu den Themen getroffen, die kommende Woche im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen werden. Am Donnerstag stand ein Mittagstermin mit der ÖVP am Programm, am Abend habe ich den Prüfungsausschuss geleitet - und weil wir uns alle so selten sehen, gab’s gestern bei der Nikolausfeier in der Kirche noch ein andächtiges Zuwinken im eher privaten Kontext. Vösendorf ist eben wirklich ein Dorf, und es ist schön zu sehen, dass die Fraktionen intensiv miteinander arbeiten und die Menschen dahinter Beziehungen aufbauen.
Inhaltlich dominierte - logischerweise - ein Thema: der Voranschlag 2026.
Wie schon in der letzten Episode von Was geht mich das an beschrieben, steckt Vösendorf finanziell tief im roten Bereich. Rekordverschuldung, ein Minus im laufenden Betrieb und neue Darlehen, um alte Schulden tilgen zu können - das ist kein nachhaltiger Kurs.
Wo wir stehen: Rekordschulden und ein operatives Minus
Drehen wir das Rad der Zeit ein Jahr in die Zukunft: Vösendorf hat heute, am 7. Dezember 2026, rund 30,7 Millionen Euro Schulden. Gleichzeitig hat unser laufendes Tagesgeschäft ein Minus von rund 754.000 Euro angehäuft. Wir haben also das ganze Jahr über mehr ausgegeben, als wir eingenommen haben, gleichzeitig keine alten Schulden getilgt, sondern sie weiter vor uns hergeschoben. Und unklar ist: Haben wir gerade ein Nachtragsbudget 2026 am Tisch liegen, weil es in Wirklichkeit noch nicht einmal dafür gereicht hat?
Gerade weil die aktuelle Koalition mit ähnlichen Altlasten konfrontiert ist - etwa dem nie errichteten Tower, der uns jährlich grob gerechnet 1 Million Euro kostet, oder mit zweckgebundenen Darlehen, die schließlich anderweitig eingesetzt wurden und für deren Ursprungsprojekte uns heute das Geld fehlt - ist es der klare Blick nach vorne, der mir beim zu beschließenden Voranschlag fehlt. Das soll uns nicht noch einmal passieren.
Mein Entschluss: Diesem Budget kann ich nicht zustimmen
Nach allen Gesprächen, Berechnungen und Unterlagen ist für mich klar: Ich werde dem Budget 2026 nicht zustimmen.
Warum? Weil es uns in eine noch tiefere finanzielle Abhängigkeit führt, ohne strukturelle Probleme anzugehen. Wir verschieben Lösungen lieber auf später - und später bezahlen unsere Kinder den Preis.
Aber wird dann nicht alles blockiert? Das ist doch auch nicht zielführend?!
Dass ein Voranschlag nicht beschlossen wird, ist unüblich, weil ja die Koalition im Regelfall auch eine Mehrheit im Gemeinderat hat. Aber das bedeutet nicht, dass wir handlungsunfähig sind, denn in Fällen eines Nicht-Beschlusses greift § 74 der NÖ Gemeindeordnung.
Kurz erklärt: Wenn kein Budget beschlossen wird, dürfen nur unbedingt notwendige Ausgaben getätigt werden - also alles, was für den laufenden Betrieb zwingend ist. Neue Projekte, freiwillige Leistungen oder größere Anschaffungen werden vorerst gestoppt. Das ist kein Drama, aber ein deutlicher Weckruf. Wir werden uns entsprechend einfach nochmals zusammensetzen und notgedrungen eine Extra-Runde drehen müssen. Ja, das erfordert eine zusätzliche Sitzung (die wiederum mit Kosten verbunden ist), aber dafür gibt es nun einmal einen gewählten Gemeinderat.
Die wahren Kostentreiber: Personal und Sachaufwand
Unsere größten finanziellen Brocken liegen im Personalaufwand und im Sachaufwand. Beides ist über Jahre gewachsen, ohne dass die Strukturen wirklich angepasst wurden. Wir suchen oft Lösungen innerhalb veralteter Abläufe, statt mutig zu hinterfragen: Geht das nicht besser, schlanker, moderner?
Die Wahrheit ist: Solange wir uns nicht trauen, an die Struktur zu gehen, wird jede Budgetdebatte eine Sparübung an der falschen Stelle bleiben. Pflaster-drüber-Kleben hilft uns nicht mehr weiter.
Die Lösung aller Probleme: Kooperation statt Stillstand
Ich stehe für eine Gemeinde, die effizient arbeitet und die Mittel dort einsetzt, wo sie den Bürger:innen zugutekommen. Eine zentrale Chance, die Vösendorf bisher kaum nutzt, ist die interkommunale Zusammenarbeit.
Warum mehrere Systeme, Fahrzeuge, Verwaltungen und Dienstleistungen teuer doppelt finanzieren, wenn man sie gemeinsam mit Nachbargemeinden effizient betreiben kann? Ob IT, Verwaltung, Fahrzeuge, Personalservices, öffentliche Einrichtungen, Verkehr oder Energie - überall gibt es Potenzial. Gemeinsam können wir uns mehr leisten als alleine!
Deshalb bringe ich am Mittwoch einen Dringlichkeitsantrag für eine große Struktur- und Kooperationsoffensive ein.
Die wichtigsten Eckpunkte:
Einrichtung einer professionell besetzten Arbeitsgruppe
Systematische Prüfung aller Kooperationen mit Nachbargemeinden
Konkrete Vorschläge bis Juni 2026
Fokus auf Einsparungen, Synergien und bessere Services
Bei Bedarf Einbindung externer Expert:innen
Klare Verantwortlichkeit und maximal 10 Mitglieder
Das ist kein Symbolantrag. Das ist eine echte Reformchance.
Mein Appell: Machen wir das gemeinsam
In finanziell schwierigen Zeiten brauchen wir keine parteipolitischen Reflexe, sondern Mut zur Veränderung. Wir alle - egal ob Koalition oder Opposition - tragen Verantwortung für die Zukunft unserer Gemeinde.
Deshalb bitte ich alle zukunftsorientierten Fraktionen im Gemeinderat, diesen Weg mitzugehen und unseren Antrag zu unterstützen.
Die vollständig ausformulierte Version stelle ich interessierten Leser:innen gerne zur Verfügung.