Episode 5: Budget 2026 - Wohin fließt unser Geld?

Vergangenen Dienstag war es soweit: Ohne große Ankündigung haben SPÖ und V2000 den Voranschlag 2026 - das Gemeindebudget - aufgelegt und auf der Gemeinde-Website veröffentlicht. Dass dies fristgerecht passiert ist, hängt sicherlich damit zusammen, dass viele Personen aus Politik und Verwaltung durch Überstunden, zahlreiche Abstimmungsgespräche, spontane Änderungsbedarfe, lange Nacht- und Wochenendschichten sowie - anzunehmen, ich war ja nicht dabei! - zähe Verhandlungen zusammengefunden haben.

Ich gehe auf das Ergebnis noch kritisch ein, aber zu Beginn sei gesagt: Dank gebührt dem Verwaltungspersonal sowie dem Gemeindevorstand quer über alle Fraktionen hinweg. Das waren sicher keine einfachen Wochen bislang.

Ganz schön umfangreich

Offen gesagt: Als ich vor einigen Wochen das erste Mal mit solchen Gemeindebudgets gearbeitet habe - im Prüfungsausschuss haben wir uns beispielsweise mit dem Nachtragsbudget 2025 und dem Rechnungsabschluss 2024 beschäftigt - war ich etwas überfordert. Ergebnishaushalt, Finanzierungshaushalt, Vermögenshaushalt, laufende Gebarung, investive Gebarung, über 1.200 Konten auf PDFs mit mehr als 400 Seiten - all das erdrückt einen recht schnell. Deshalb möchte ich heute Schritt für Schritt zeigen, wie man den Überblick behält und worauf es ankommt.

Der Voranschlag: Was ist das eigentlich?

Der Begriff wirkt ja recht altbacken, aber im Prinzip ist es einfach: Der Voranschlag ist ein Voraus-Schlag, also eine Schätzung aller erwarteten Einnahmen und Ausgaben für das kommende Jahr. Er ist nicht das tatsächliche Budget, das im Laufe des Jahres entsteht, sondern ein vorweggenommener Ansatz. Gleichzeitig zeigt er, wie gesund die Gemeinde finanziell dasteht, welche Projekte Priorität haben und welche Risiken auf uns zukommen könnten.

Aufbau und Inhalt

  1. Der Vorbericht

    Am Anfang steht der Vorbericht. Dort wird auf den allgemeinen Teil des Budgets eingegangen: Wie entwickelt sich die wirtschaftliche Lage der Gemeinde? Wie steht es um Vermögen und Verschuldung? Gibt es Zuzug oder Abwanderung? Steigen die Einnahmen aus der Kommunalsteuer oder gehen sie zurück? Und wie verhält es sich mit den Umlagen, die von der Gemeinde an das Land abgeführt werden?

  2. Der Ergebnishaushalt:

    Hier stehen alle laufenden Einnahmen und Ausgaben des Jahres: Personal, Müllabfuhr, Kindergartenbetrieb, Instandhaltung, Zuschüsse, Zinsen und vieles mehr. Konkret plant die Koalition Einnahmen in Höhe von 33,18 Mio. EUR, während Ausgaben von 33,93 Mio. EUR vorgesehen sind.

    Die Ernüchterung: schon jetzt geht die Koalition davon aus, dass der operative Tagesbetrieb nicht aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden kann. Oder anders gesagt: wir müssen auf Rücklagen zugreifen, um überhaupt laufen zu können.

    Was dahinter steckt - unsere Ausgaben:

    • Der Sachaufwand (dazu zählen Erhaltungen, Betriebskosten, Mieten/Leasing, Energie, Material) steigt im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 15,30 Mio an. Hier könnten wir aktiv etwas dagegen tun.

    • Der Transferaufwand (hauptsächlich Umlagen an das Land für Krankenhäuser (NÖKAS), Schulen, Kindergartenbetrieb, gesetzliche Pflichtbeiträge, aber auch Zuwendungen an Vereine oder bestimmte Personengruppen wie Familien, Senioren etc.) steigt ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr auf 8,46 Mio an. Damit ist der Transferaufwand ein wesentlicher Kostentreiber, auf den die Gemeinde aber nur teilweise direkten Einfluss hat.

    • Der Personalaufwand bleibt annähernd gleich bei 9,42 Mio EUR. Angesichts der kollektivvertraglichen Erhöhungen im kommenden Jahr kann dies nur durch geplanten Abbau oder Nicht-Nachbesetzen von Personal erklärt werden. Weil es hier bei anderen Gemeinden in der Umgebung auch Herausforderungen gibt, sehe ich hier einen großen Hebel für Reformen. Meine Ideen dazu teile ich mit euch in einer der nächsten Episoden.

    • Der Finanzaufwand steigt ebenfalls von 708k auf 757k EUR an. Hier liegen Aufwendungen für Zinsen dahinter.

    Und woher kommen unsere Einnahmen?

    Auf der Einnahmenseite sind die Kommunal- und Grundsteuer mit zusammen 11,45 Mio die größten Quellen. Der Rest kommt hauptsächlich vom Bund (8,32 Mio), aus Gebühren (5,81 Mio), aus Leistungen der Gemeinde (2,19 Mio.) sowie aus Transfererträgen (2,1 Mio).

  3. Der Finanzierungshaushalt

    Der Finanzierungshaushalt zeigt, wie viel Geld tatsächlich in die Gemeinde fließt und wie Investitionen finanziert werden. Er macht sichtbar, ob Kredite aufgenommen, Rücklagen verbraucht oder eigene Überschüsse genutzt werden.

    Konkret bei uns: Der Finanzierungshaushalt zeigt das wahre Spannungsfeld.

    Die Gemeinde plant außergewöhnlich hohe Investitionen von über 6,2 Mio. EUR - hauptsächlich Bauprojekte (ein Kindergarten im Projekt Südheide, der vertraglich schon in einer vergangenen Periode verabschiedet wurde), Infrastrukturmaßnahmen (Kanal) und größere Ausstattungen.

    Diese Investitionen übersteigen die verfügbaren operativen Mittel. Deshalb wird ein Teil der Projekte durch neue Kredite (5,28 Mio. EUR) und das Aufbrauchen von Rücklagen finanziert. Der Schuldenstand steigt auf über 30 Mio. EUR - der höchste Wert der letzten Jahre - während die Rücklagen auf rund 4,5 Mio. EUR sinken, wobei der Großteil gebundene Mittel sind und nicht frei verfügbar ist.

    Kurz gesagt: Vösendorf finanziert 2026 einen Teil seiner großen Projekte durch das Aufbrauchen von Rücklagen und den Rest durch Kredite.

  4. Weitere Teile des Voranschlags sind das Haushaltspotential, der Nachweis über Investitionen und noch weitere Anlagen, deren Erklärung jetzt den Rahmen sprengen würde.

Fazit

Der Voranschlag 2026 zeigt Vösendorf im Spannungsfeld zwischen Wachstum und Belastung. Unsere Gemeinde nimmt zwar mehr ein, doch steigende Umlagen und hohe laufende Kosten schränken den finanziellen Spielraum so stark ein, dass jede Zukunftsinvestition - ob dringend notwendig oder ambitioniert und visionär - nur noch auf Pump möglich ist.

Und was machen wir jetzt damit?

Bei all der Analyse müssen wir trotzdem positiv in die Zukunft schauen. Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Die Menschen, die das Budget aufgestellt haben, haben sich ihre Gedanken gemacht - ohne ihre Erklärungen lassen sich Details nur schwer einordnen. Deshalb treffe ich mich am Montag mit Sabine Brauneder, unserer geschäftsführenden Gemeinderätin für Finanzen, Finanz- und Personalplanung, um mir das Budget genauer erklären zu lassen.

Ich freue mich sehr auf das Gespräch und darauf, die Hintergründe besser zu verstehen. Und vielleicht fällt uns gemeinsam der eine oder andere Punkt ein, den wir im Prüfungsausschuss beleuchten oder später im Gemeinderat noch als Antrag einbringen können.

Zurück
Zurück

Episode 6: Kooperation statt Krisenmodus - Warum ich gegen das Budget stimme und trotzdem die Lösung für unsere Sorgen habe.

Weiter
Weiter

Episode 4: Tag der offenen Tür in der Volksschule Vösendorf – Ein Blick hinter die Kulissen unserer Zukunft